” Deswegen bin ich gegen den Regen. Regen hört nicht auf mich aufzuregen.”
Bodo Wartke.
Bodo Wartke.
Forks, war keine Kleinstadt, wenn man Forks eine Stadt nennen wollte. Ich konnte selber noch nicht glauben, dass ich mir ausgerechnet solch einen Ort zum Bleiben ausgesucht hatte.
Anhand meiner Recherchen fand ich heraus, dass Forks der Ort mit der höchsten Niederschlagrate in Nordamerika war.
Furchtbar!
Ich hasste Regen und die kalten Temperaturen. Für solch ein Wetter war ich nicht geschaffen. Leider blieb mir keine andere Wahl, hier würde man mich in ferner Zukunft nicht finden.
Es war eine vernünftige Entscheidung gewesen hierher zu kommen, trotzdem verfluchte ich mich selbst, das Wetter würde mich mit der Zeit in Depressionen stürzen.
Und wenn ich depressiv war, ging meine Laune schnell dem Nullpunkt entgegen. Dann wurde ich wirklich unausstehlich, schon früher wollte mir niemand in die Quere kommen, wenn ich schlecht gelaunt war.
Ich kicherte, schaute mich um und sah, dass ein paar Passanten mich merkwürdig ansahen. Sie dachten wahrscheinlich ich war verrückt und zugegebenermaßen, ich war wirklich auf eine gewisse Weise verrückt.
Zu meinem Glück regnete es im Moment nicht, da wurde ich wenigstens nicht nass.
Besonders viel zu sehen gab es in diesem Kaff nicht. Es gab eine große Straße und die Geschäfte waren wenig ansprechend. Hier konnte ich mit Sicherheit nicht einkaufen.
Das Einzige, was es weit und breit zu sehen gab, waren Wälder und Felder. Nicht dass ich die Natur generell verachten würde, nein ich liebte die Natur, doch ich wollte jetzt andere Sachen um mich haben.
Mir strahlte von überall prachtvolles Grün entgegen, von den Blättern der Bäume, welche dicht aneinander standen und vielen Tieren eine Heimat bot. Die Wege wurden von Sträuchern gesäumt und man merkte, dass Forks für Touristen der ideale Ausgangspunkt war, um den Olympic-Nationalpark zu erkunden.
Ich lief die Straße weiter hinunter, der Wind blies in Böen. Das metallene Coca-Cola Schild über dem Lebensmittelladen schaukelte in den Verankerungen.
Ich stellte den Kragen meines schwarzen Wollmantels auf, beschleunigte meine Schritte und achtete genauestens auf meine Umgebung.
Es war enttäuschend, was ich zu sehen bekam. Lediglich eine Handvoll Bars und Restaurants fand ich, alles andere war zu klein und unbedeutend, sodass es sich nicht lohnte, dies zu erwähnen.
Ich entschloss mich, mir eine der Nachbarstädte anzuschauen. Wenn mich meine Erinnerung nicht täuschte, war die nächstgrößere Stadt circa eine Stunde von Forks entfernt.
Port Angeles.
Wahrscheinlich konnte man dort besser einkaufen, vor allem Kleidung, denn ich besaß nur noch wenig seit meiner letzten Flucht.
Ich ging zu meinem Baby zurück, das noch vor dem Motel stand. Der Wagen war eigentlich viel zu auffällig, aber ich liebte ihn mit jeder Faser meines Seins.
Mein Baby hatte ich mir vor drei Jahren gekauft.
Damals arbeitete ich auf einer Automesse und da sah ich ihn … er war wunderschön. Ich jobbte wirklich hin und wieder, denn das brachte ein wenig Normalität in mein Leben. Aber was hieß es schon Normal zu sein? Wer sagte, was Normal war und was nicht?
Mein Baby war ein Porsche Panamera Turbo S. Er hatte 550 PS, einen Achtzylinder Motor, sieben Gänge und beschleunigte von 0 – 100 km/h in gerade mal 3,8 Sekunden.
Es war der Traumwagen schlechthin. Natürlich war er ein Hybrid, das war mir sehr wichtig gewesen, denn irgendwo musste man Rücksicht auf die Umwelt nehmen, wenn man sich solch einen Benzinschlucker kaufte.
In dem Innenraum hatte ich, natürlich nicht, mit der Ausstattung geknausert.
Helles Leder und edle Hölzer gaben meinem Baby ein sehr nobles Ambiente.
Natürlich hatte der Wagen ein Schaltgetriebe, ich war kein Freund von Automatikwagen.
Der Fahrspaß war um einiges größer, wenn man einen Wagen mit Schaltgetriebe fuhr.
Es gab mir einen Kick, wenn ich die Drehzahlen hochtrieb und da mein Liebling eine Geschwindigkeit von über 300 Stundenkilometer erreichte, hatte ich immensen Spaß beim Fahren. 'Immerhin etwas Schönes, wenn man auf der Flucht war', dachte ich seufzend.
Ich fuhr mit heruntergelassenen Fenstern und spürte den Wind auf meinem Gesicht. Er wirbelte meine Haare durcheinander und brachte mich zum Lachen. Das war einer der Momente, die mir mein Leben versüßten.
Vieles gab es für mich nicht, worüber ich mich freuen konnte, außer vielleicht das Einkaufen. Welche Frau liebte es nicht einkaufen zu gehen?
Der Weg nach Port Angeles war alles andere als schwer. Ich musste lediglich den Highway 101 Richtung norden fahren, normalerweise brauchte man eine knappe Stunde um dort hinzukommen … ich hatte den Weg in einer halben Stunde geschafft. Nun ja, i dont care, ich liebte die Geschwindigkeit.
Nachdem ich das Ortsschild hinter mir gelassen hatte, fuhr ich langsamer, denn ich konnte mir Schöneres vorstellen, als mit einem Bullen zu diskutieren.
Mit den Augen auf der Straße beugte ich mich zum Handschuhfach rüber und nahm daraus einen Zettel. Auf diesem Zettel stand eine Adresse, zu der ich zuerst musste.
Also fuhr ich vor dem Einkaufen dorthin, um meine neuen Papiere abzuholen.
Die angegebene Adresse befand sich in einer nur beschränkt befahrbaren Straße, ziemlich abgelegen. Das Haus der Adresse war riesig, es war nicht direkt ein Hochhaus, hatte jedoch den gleichen Charme. Die Fassade war grau und rissig, eine schöne Wohnumgebung stellte ich mir völlig anders vor.
Hier wohnten also Ben Cheney und Angela Weber. Meine neuesten Passfälscher.
Momentan fuhr ich ohne Führerschein und Ausweis, das konnte mir sehr schnell zum Verhängnis werden. Denn würde jemand meine DNA untersuchen, wäre ich ziemlich am Arsch. Ich konnte wetten, dass man meine DNA zu irgendeinem ungelösten Mordfall zuordnen konnte. Darauf würde ich meinen Arsch verwetten!
Mein Liebling parkte ich am Straßenrand und hoffte inständig, dass mir niemand meine neuen Reifen klauen würde. Man wusste nie, welche Art von Leuten, sich in solchen Gegenden aufhielten.
Würde ich jemanden an meinem Auto erwischen, wäre dieser jemand schneller ein Körperteil los, als er sich verpissen konnte.
Wenn mich etwas wirklich wütend machte, hatte ich hin und wieder einen Blackout. Ich konnte nicht mit Bestimmtheit sagen, was dann passierte, eine leise Ahnung hatte ich zwar schon, aber Erinnerungen an das Geschehene besaß ich nie.
Das eine Mal lag ich morgens in einem schäbigen Motelbett und war über und über mit Blut bespritzt. Ich wusste, dass ich jemanden umgebracht hatte, aber um wen es sich genau handelte, wusste ich bis heute noch nicht.
Meiner Vermutung nach musste es einer von Aros Männern gewesen sein, denn Unschuldige brachte ich in der Regel nie um, das ging gegen meine Prinzipien.
Ich wusste, es war schwer sich vorzustellen, dass ich ein Gewissen besaß, aber so war es tatsächlich. Meine Moralvorstellungen wichen nicht einmal weit von denen der Gesellschaft ab.
Wenn man das Töten von Menschen als kleine Abweichung sah!
Ich angelte mir meine Handtasche vom Beifahrersitz und stieg aus. Den Schlüssel für mein Baby jonglierte ich in meiner rechten Hand und schloss ab. Bevor ich auf das Haus zuging, vergewisserte ich mich, dass mein Baby auch wirklich abgeschlossen war.
Manchmal war ich paranoid, aber wer war das schon nicht?
Zum Glück hatte ich keine High Heels angezogen, ansonsten hätten meine Absätze auf dem Gehweg fürchterliche Geräusche gemacht. Etwas, dass ich jetzt nicht gebrauchen konnte, war Aufmerksamkeit, besser man konnte sich nachher nicht mehr an mich erinnern.
Zügig ging ich auf den Eingang des Plattenbaus zu und sah mich noch einmal um. Die Straße war, bis auf eine ältere Dame, vollkommen leer.
Erleichtert atmete ich tief ein und aus, ging dann zu dem Klingelbrett und suchte Weber/Cheney.
Nach kurzer Suche wurde ich fündig, die dritte Klingel rechts, von unten, na hoffentlich besaß dieses Haus einen Aufzug.
Ich drückte den Knopf der Klingel und wartete, kurze Zeit später hörte ich ein Knacken.
»Hallo, wer ist da?«, fragte eine männliche Stimme, die Unsicherheit war deutlich aus der Stimme herauszuhören.
»Arma bianca«, sagte ich deutlich in die Gegensprechanlage und sofort ertönte der Summer der Tür.
Wieso Gorden ausgerechnet dieses Codewort ausgesucht hatte, verstand ich nicht. Was hatten meine gefälschten Papiere mit einer blanken Waffe zu tun?
Sollte mir eigentlich verdammt egal sein, aber ich dachte immer über solche Nichtigkeiten nach. Das war eine der Situationen, in denen ich mein denkendes Gehirn verfluchte.
Sogar Gorden verfluchte ich, denn er wusste genau, dass mich solche Sachen nicht losließen und mich ins Grübeln brachten.
Was ein Arschloch!
Mit einiger Kraft drückte ich die schwere Eisentür auf, ich konnte mir gut vorstellen, warum hier eine massive Eisentür eingebaut worden war. Drinnen wurde ich allerdings überrascht.
Das Treppenhaus war erstaunlich sauber und gepflegt, das hätte ich nicht erwartet. Aber vielleicht war mein Kopf auch nur voller Vorurteile, wer wusste das schon so genau?
Die Tür schlug mit einem gewaltigen Rums zu und bestätigte meine vorige Annahme nur noch einmal.
Es war lächerlich, wie viel diese Eisentür über die komplette Umgebung aussagte. Das einzige Wort, das mir dazu noch einfiel war: hohe Kriminalitätsrate.
Die Treppe war direkt vor mir und ich stieg die Stufen bis zum dritten Stock empor, denn wie ich befürchtet hatte, gab es keinen Aufzug.
Es war nicht so, dass ich faul war, ich hatte einfach keine Lust aufs beschissene Treppensteigen.
Treppen waren meine natürlichen Feinde, denn so präzise und elegant ich auch Leute umbrachte, umso tollpatschiger war ich im normalen Leben.
Obwohl man sagen musste, dass sich dies in den letzten Jahren immens geändert hatte. Es blieb mir auch nichts anderes übrig, wenn ich unauffällig sein wollte, musste ich mich vor Peinlichkeiten in acht nehmen.
Nach gefühlten tausend Stufen später erreichte ich den dritten Stock und sah auch schon die geöffnete Tür. Zügig lief ich auf die Tür zu und betrat die Wohnung, die alles andere als so war, wie ich sie mir vorgestellt hatte.
Meine bisherigen Papierfälscher wohnten in richtig ekeligen Verhältnissen, in dieser Wohnung war das nicht der Fall.
Der Flur war mit dunklen Parkett ausgelegt und die Wände waren in hellen Erdtönen gestrichen. Die Wände wurden von vielen Bildern geziert, auf welchen ich ein junges Pärchen ausmachen konnte, das waren wohl Ben und Angela.
»Hallo?«, rief ich vorsichtig, denn ich sah niemanden. Meine rechte Hand griff automatisch hinten an meinen Rücken zu meinem Hosenbund, jedoch griff meine Hand ins Leere.
Verdammte Scheiße, Bella!
Wie dumm war ich eigentlich, ich hatte tatsächlich meine B im Wagen gelassen. Innerlich stöhnte ich auf und tadelte mich selbst für meine Leichtsinnigkeit.
Ich befand mich in einer Wohnung von Kriminellen, die mit aller Wahrscheinlichkeit Waffen besaßen, und ließ meine im Auto?
So viel Dummheit gehörte ehrlich bestraft!
Jetzt blieben mir nur noch meine Kampfkünste, zum Glück beherrschte ich jegliche Kampfsportarten, da ich seit meinem sechsten Lebensjahr Unterricht bekam.
Aro hatte mich damals persönlich ausgebildet und eine bessere Ausbildung konnte man nirgends bekommen.
'Ich hatte ja solch ein Glück gehabt', dachte ich ironisch.
Früher fand ich die Aufmerksamkeit, die ich bekam toll, heute wünschte ich, ich hätte eine normale Kindheit gehabt.
Leider kam es nie so, wie man es sich wünschte.
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