” Was immer du tust, irgendwann wirst du es bereuen.”Thomas von Aquin.
҉ 20. August 2006 ҉
Eine luftige Brise schmiegte sich um meine Beine, während ich hier in seinem kleinen Vorgarten stand. Die Sonne war dabei unterzugehen und ich starrte seit gefühlten Stunden auf sein Haus.
Ich konnte immer noch nicht verstehen, wieso er es getan hatte und wie er mich so täuschen konnte. Heute würde er endlich die Rechnung für seine Taten bekommen, wer mir dabei im Weg stand, wurde ausgeschaltet.
Die letzten sechs Monate sann ich nur nach Rache, die Menschen, die dabei umkamen, waren mir egal. Meine Gedanken wurden von meinem Drang nach Zerstörung beherrscht. Nichts anderes hatte mehr Platz in meinem Kopf.
Nach meiner monatelangen Recherche fand ich endlich heraus, wer den Auftrag ausführte. Niemals hatte ich damit gerechnet, dass ausgerechnet er es tun würde.So lange spielte er mir eine heile Welt vor, dabei war er Schuld an meinem Leid. Mein Verstand konnte nicht erfassen, wieso er mich so hinterging, er hatte mehr als eine Gelegenheit gehabt mit mir, zu sprechen.
Nie kam auch nur ein Wort über seine Lippen, nun würde ich dafür sorgen, dass er keine Möglichkeit mehr hatte, irgendwelche Wörter auszusprechen.
Die Frage, die ich mir jetzt stellte, war, wie lockte man jemanden aus seiner Deckung, aus seiner Höhle, wenn er dort alles hatte, was er wollte und brauchte? Und vor allem musste ich aufpassen, dass dieser Mord nicht meine Handschrift trug.
Einerseits machte diese Situation die Dinge komplizierter.
Kein einfacher Schuss aus bequemer Entfernung, bei dem man den roten Nebel nur kurz durch das Zielfernrohr sah. Kein simpler Hinterhalt in einer dunklen Seitenstraße, ein geleertes Magazin und Schalldämpfer. Kein harmloses Pülverchen in einem Weinglas.
Andererseits war so eine Herausforderung viel interessanter. Jeder Depp konnte andere Menschen töten. Mit sechzehn Jahren fing ich damals an für Aro zu arbeiten. Manche würden sagen, dass ich sehr jung gewesen war, diese Leute wussten jedoch nicht das Geringste von meiner Familie.
Mit einer fließenden Bewegung glitt ich über den Weg im Vorgarten und steuerte geradewegs auf die Haustür zu.
Jake war solch ein Idiot, er musste doch wissen, dass ich es irgendwann herausfinden würde. Ich stieg die Stufen zur Tür hinauf, zog meinen Schlüsselbund aus meiner Tasche und schloss die Tür auf. Mir war klar, dass Jake die Schlösser noch nicht ausgetauscht hatte, er war immer leicht nachlässig in solchen Dingen, was pure Dummheit angesichts seines Berufes war.
Der Flur duftete wie immer nach Lilien, mir fiel direkt auf, dass Jake erst vor Kurzem nach Hause gekommen war. Er hatte die Angewohnheit, immer neue Lilien mitzubringen, was dahinter steckte, wusste ich bis heute nicht. Im Flur lag ein großer Teppich, marineblau, sehr teuer, die Sorte Teppich, die nicht einmal schmutzig aussah, wenn sie es war.
Vorsichtig schlich ich durch den Flur. Ich trat in das geräumige Wohnzimmer, plötzlich stürzte sich eine schwarze Gestalt auf mich. Alles an dieser Person strahlte pure Kraft aus.
Die breiten Schultern waren angespannt, die Muskeln wie Drahtseile, die Fäuste geballt.
Ich war darauf vorbereitet gewesen und ehe der Angreifer wusste, wie ihm geschah, hatte ich ihn zu Boden geworfen und auf den Bauch gerollt. Sein Gesicht presste ich auf die kalten Steinfliesen, ich trat ihm einmal gezielt in die Rippen.
Dem ekelerregenden Knacken folgte ein spitzer Schrei, ich lachte.
»Na Jake hast du mich schon erwartet«, sagte ich gewohnt trocken. Jake schnappte hörbar nach Luft.
»Ich wusste doch das du es bist Isa. Was willst du von mir«, röchelte Jake, man hörte deutlich, dass er Schmerzen hatte.
»Das weißt du ganz genau, stell dich nicht dümmer als du bist. Hast du wirklich geglaubt, ich würde es nicht herausfinden? So dumm kannst du doch nicht gewesen sein du verdammter Hurensohn.«
»Isa bitte, ich wollte das doch so nicht.«
Jake versuchte sich zu drehen, ich machte ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung, indem ich ihm nochmals in die Rippen trat, es knackte wieder laut und Jake schrie erneut auf.
»Wieso Jake, sag mir den Grund«, flüsterte ich bedrohlich, Jake schien verstanden zu haben, dass er keine Chance hatte, zu fliehen und lag nun ruhig unter mir.
»Aro wollte es so, was sollte ich denn tun?«
»Hör auf zu jammern Jake, das steht dir nicht. Du hast es nur getan, weil es Aro so wollte? Hast du nur eine Sekunde an mich dabei gedacht, oder hast du überhaupt ein schlechtes Gewissen danach gehabt? Wie konntest du mir in die Augen sehen, mich trösten, ohne Schuld zu empfinden?«
»Isa du weißt genau, wie er ist! Natürlich habe ich mich schuldig gefühlt, ich wollte dir helfen, dir eine Stütze sein. Bitte versteh mich doch, hätte ich den Auftrag ablehnen sollen, dann hätte er mich umgebracht.«
»Wärst du wirklich mein Freund, hättest du nicht meine Eltern umgebracht, sondern wärst selbst gestorben. Ich wäre nicht so feige wie du, ich stehe für das ein, woran ich glaube. Und weißt du, woran ich momentan glaube?«
Jake zitterte und sah mir in die Augen, mein wütendes Funkeln konnte ihm nicht entgangen sein. Mein Mund verzog sich zu einem tödlichen Grinsen und Jake wusste worauf dies alles hinauslief.
»Isa ich bitte dich.«
»Hör auf zu betteln!«, schrie ich. »Das alles ist nur deine Schuld und nun wird dir niemand mehr helfen können.«
TBC …

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen